Veranstaltungen

Wohnungspolitik nach Marktlogik

Informations- und Diskussionsveranstaltung,
23.05.2012 um 19:30 Uhr im DGB-Jugendheim

Vom Relikt des gemeinnützigen Wohnungsbaus zum Renditeobjekt

Während der Soziale Wohnungsbau in den letzten Jahren praktisch zum Erliegen kam, sprießen Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen allerorten wie Pilze aus dem Boden. Reihenweise werden ganze Wohnquartiere aus dem Altbestand ehemals gemeinnütziger Wohnungsbaugesellschaften an internationale Finanzinvestoren verkauft, die schnelle Gewinne erzielen wollen, z.B. durch Weiterverkauf. Die Folgen dieser Politik sind für den überwiegenden Teil der betroffenen MieterInnen gravierend: Steigende Mieten, Verwahrlosung, Entmietungen und Gentrifizierung sind die Folgen einer Wohnungspolitik, in der sich die öffentliche Hand immer weiter aus dem Sozialen Wohnungsbau zurückzieht und den Investoren den Markt überlässt, deren Handeln an Profitinteressen orientiert ist.

Hier in Hanau erfährt dieser Prozess mit dem Stadtumbau im Rahmen des Wettbewerblichen Dialogs (WeDi) einen neuen Schub. Die Baugesellschaft Hanau und die sozialdemokratisch geführte Stadtregierung – unterstützt von den Verbündeten FDP, Grüne und BFH sowie der oppositionellen CDU – haben ganze Wohnblöcke in der Innenstadt entmietet, um dort von Investoren wahlweise hochwertige Eigentumswohnungen für angebliche „Leistungsträger der Gesellschaft“ oder ein Hotel errichten zu lassen. Während der Lärm der Abrissbirnen von den Versprechen der „Aufwertung“ der Innenstadt inklusive neuem Einkaufszentrum propagandistisch übertönt wird, fragt kaum jemand nach dem Verbleib Hunderter ehemaliger InnenstadtbewohnerInnen und den sozialen Folgen die-
ser Vertreibung.

Welche Entwicklungen sind auf dem Wohnungsmarkt bundesweit
und in Hanau zu beobachten?
Wessen Interessen haben sich durchgesetzt?
Welche Politik steckt hinter diesen Entwicklungen?

Diesen Fragen sind die AG Innenstadt des Hanauer Sozialforums und die DKP Main-Kinzig gemeinsam nachgegangen und versuchen, sie im Rahmen einer
Informations- und Diskussionsveranstaltung am 23.05.2012 um 19:30 Uhr im DGB-Jugendheim zu beantworten.

Sie sind herzlich eingeladen!

Meteorologe rät dringend zur Berücksichtigung des Klimawandels bei der Stadtplanung

PM Aktuelles Klimagutachten für Hanau unerläßlich

Prof. Dr. Lutz Katzschner, Meteorologe von der Universität Kassel, erläuterte den Kritiker/innen des Wettebwerblichen Dialogs unter dem Titel „Das Stadtklima der Zukunft“ Zusammenhänge zwischen der Art der Bebauung von Städten und dem Klimawandel. Die interne Veranstaltung fand am 27.09.2010 statt.
Prof. Katzschner bezeichnete das Fehlen eines aktuellen Klimagutachtens für Hanau als Manko. Aus seiner Sicht dürfe es stadtplanerische Maßnahmen, wie sie in Hanau mit dem „Wettbewerblichen Dialog“ geplant seien, ohne die Erstellung eines Klimagutachtens nicht geben. Dabei sei es unerläßlich, ein solches Gutachten nach den vom Verband der Ingenieure (VDI) entwickelten Richtlinien zu erarbeiten. Die Innenstadt müsse dabei im Detail untersucht werden, um festzustellen, auf welchen Bahnen Frischluft nach Hanau einfließe. Auch die Frage, wieviel Wärme bereits vorhandene und im Plan befindliche Gebäude abstrahlen, müsse beleuchtet werden. Die Kritiker/innen des Wettbewerblichen Dialogs fordern ein solches Klimagutachten vor allem auch wegen der geplanten Bebauung des „Kinzigbogens“. Eine solche Bebauung war in der Vergangenheit wegen der Risiken für das Stadtklima abgelehnt worden und es ist nicht ersichtlich, wodurch die damaligen Argumente entkräftet worden sein sollten.
Gegenwärtig sei der Trend zu beobachten, dass Städteplaner versuchten, neue Einwohner in die Städte zu locken. Dabei werde durch das Schließen von Baulücken eine dichtere Bebauung der Innenstädte angestrebt. Katzschner erklärte, dass sogenannten Luftleitbahnen aufgrund der verdichteten Bebauung unterbrochen würden und so der Abtransport von schädlichen Gasen, wie etwa dem Kohlendioxid nicht mehr richtig funktioniere.
Neben der gesundheitsgefährdenden Belastung der Atemluft konstatierte Katzschner auch eine Erhöhung der Wärmebelastung für die Menschen in den Städten. Er machte anhand eines Schaubildes deutlich, dass nach heißen Sommertagen die Abkühlung innerhalb dicht bebauter Städte spürbar weniger gut funktioniert als in ländlichen Bereichen. Eine globale Erhöhung der Temperatur um 2 Grad Celsius könne für Innenstädte einen Anstieg der Temperatur um bis zu sechs Grad bedeuten, so der Meteorologe in seinem Vortrag. Katzschner wies darauf hin, dass Luftfeuchte, Temperatur, Sonnenstrahlung und Wind in die Wärmebilanz eines Menschen einfließen.
Der Kasseler Meteorologe zeigte anhand von Klimabewertungskarten Überwärmungsräume der Innenstädte von Kassel und Frankfurt am Main und unterstrich die große Bedeutung von Grünflächen in der Innenstadt. Bäume in kleinen Parkanlagen spendeten tagsüber Schatten und sorgten nachts für eine bessere Abkühlung, so Prof. Katzschner.

Infos zur Forderung der InnenstadtAG
Klimagutachten her und Bürgerpark auf dem Freiheitsplatz

Public Private Partnership in Hanau?

„Lassen Sie die Finger davon!“

Bericht über die Veranstaltung mit Dr. Werner Rügemer

Die Risiken, die damit verbunden sind, von privaten Investoren öffentliche Gebäude bauen zu lassen, um sie durch die Stadt Hanau zu mieten, schilderte der Kölner Publizist Dr. Werner Rügemer eindringlich. Auf Einladung der Innenstadt AG des Hanauer Sozialforums, der Gewerkschaft ver.di, von attac, den Parteien Die Linke und DKP sowie der Rosa-Luxemburg-Stiftung berichtete Rügemer in einer gut besuchten Informationsveranstaltung von den schlechten Erfahrungen, die in anderen deutschen, aber auch britischen Städten mit „Public Private Partnership“-Projekten bereits gemacht wurden. In Hanau sind solche „PPP“-Projekte im Rahmen des Wettbewerblichen Dialogs geplant: So sollen eine neue Stadtbücherei und ein Brüder-Grimm-Zentrum vom Investor gebaut und dann an die Stadt vermietet werden.

„Schon nach fünf Jahren wird deutlich: Es wird meist doppelt so teuer, als wenn die Kommune selbst gebaut hätte“, erläuterte Rügemer. Dies hätten beispielsweise die Landesrechnungshöfe schon 2006 in einer gemeinsamen Stellungnahme moniert und der Bundesrechnungshof habe 2009 vor einem Desaster gewarnt.

Städte müssten in der Regel Kredite aufnehmen, um die Mieten, die für einen Zeitraum von 30 Jahren festgelegt werden, aufbringen zu können. Dadurch fielen doppelt Zinsen an: nämlich für den Kredit und in den Mietpreisen, in die ebenfalls Zinsen eingerechnet würden. Grotesk sei in diesem Zusammenhang, dass aufgrund der Gesetzeslage Mieten, die Städte für PPP-Projekte zahlen müssten, nicht als Schulden in die kommunalen Haushalte aufgenommen würden. Baue eine Kommune in eigener Regie, tauchten dagegen die Kosten als Schulden in den Haushalten auf. Rügemer sprach in diesem Zusammenhang von Bilanztricks.

Werner Rügemer trat in diesem Zusammenhang energisch der weit verbreiteten Meinung entgegen, der Staat habe kein Geld für Infrastrukturprojekte: „Wie viel Geld der Staat hat, haben wir doch gesehen, als für die Bank Hypo Real Estate im Handumdrehen 200 Milliarden Euro bereit gestellt wurden. Diese Summe ist in einem Schattenhaushalt verschwunden.“ Er forderte Kredite des Bundes für die Kommunen, um diese vor der Abhängigkeit von Banken zu schützen.

Wenn der Investor eine Bibliothek gebaut habe, verkaufe er den Mietvertrag an eine Bank und vereinbare „Forfaitierung mit Einredeverzicht“. Dies bedeute, dass die Kommune keine Ansprüche auf Mietminderung habe, wenn sich Baumängel an den neuen Gebäuden herausstellten, was leider sehr oft der Fall sei. PPP-Projekte würden in der Regel von einem Generalunternehmen übernommen, das Subunternehmer mit der Bauausführung beauftrage. Diese sparten sowohl an der Entlohnung ihrer Bauarbeiter als auch an den Baumaterialien. Ergebnis dieser Vorgehensweise seien Gebäude, in denen Elektrik, Heizung und sonstige Ausstattung nicht richtig funktionierten. Da die Generalunternehmer für die Abwicklung von PPP-Projekten jeweils eigene Projektgesellschaften mit einer geringen Kapitalausstattung gründeten, sei im Schadensfall dort „nicht viel zu holen“, so der Kölner Publizist.

Dr. Rügemer wies darüber hinaus darauf hin, dass für den Fall von Streitigkeiten zwischen Investoren und Kommunen Schiedsgerichte angerufen würden, die sich aus Vertretern des Investors, der Kommune und der Industrie- und Handelskammer zusammen setzten: „Das kommt einer Privatisierung der Justiz gleich, denn die Sitzungen der Schiedsgerichte sind nicht öffentlich“, so Rügemer. Zudem zögerten Investoren das Zustandekommen der Schiedsgerichte oft lange hinaus und drängten auf Vergleiche: „Die Städte bleiben dann auf den Kosten für die Mängelbeseitigung sitzen.“ Ein Beispiel hierfür sei der Bau des Kreishauses im nordrhein-westfälischen Unna, wo der Investor sich vertraglich verpflichtet hatte, Altlasten zu beseitigen, dieser Verpflichtung aber nicht nachkam. Letzten Endes habe der Landkreis die Hälfte der Kosten für die Bodensanierung bezahlt.

Eine weitere Begleiterscheinung von PPP-Projekten sei die Geheimhaltung der Bau- und Betreiberverträge, erklärte der Referent. „Die Stadtverordneten wissen gar nicht, worüber sie abstimmen und welche Kosten auf die Stadt zukommen. Sie entmündigen sich damit selbst“, kritisierte Rügemer. Dort, wo einzelne Stadtverordnete darauf bestünden, Verträge einzusehen, dürften sie keine Kopien anfertigen und die aus der Akteneinsicht gewonnenen Erkenntnisse auch nicht in die öffentliche Diskussion einbringen. Die Haushaltshoheit sei die wesentlichste Aufgabe der gewählten Mandatsträger, und sie dürften diese nicht aus der Hand geben.

Rügemer riet den Hanauer Bürgern, die Offenlegung aller Verträge zu fordern und sagte abschließend: „Es ist besser, wenn die Stadt Hanau die Stadtbibliothek und das Brüder-Grimm-Zentrum selbst baut und betreibt. PPP löst keine Probleme – mein Rat ist: lassen Sie in Hanau die Finger davon!“

PPP – Kluges Finanzierungsmodell? oder: Gefahr für die Stadtkasse?

Einladung:
Veranstaltung zum Thema „Public Private Partnership“ (PPP)

Im Zuge der Umgestaltung Hanaus läßt der Magistrat das Brüder-Grimm-Zentrum und eine Stadtbibliothek von einem Investor bauen und mietet danach für einen Zeitraum von 30 Jahren die Räumlichkeiten. Diese Art der Finanzierung von neuen Gebäuden ist unter dem Begriff „public private partnership“, kurz PPP, bekannt und wird als neue Art der Geldbeschaffung für die öffentliche Hand gepriesen. Doch welche Risiken bringt PPP langfristig mit sich? Wäre das Bauen in eigener Regie für die Stadt tatsächlich teurer? Zu diesen Fragen wird Stellung beziehen:

Dr. Werner Rügemer
(Publizist aus Köln, Experte für PPP-Projekte)

am Dienstag, 11. Mai 2010, um 19:00 Uhr, Gaststätte „Sandelmühle“ (Vereinslokal des TSV 1860 Hanau, Philipp-August-Schleißner-Str. 2 a)

Alle, die sich für aktuelle Fragen rund um den „Wettbewerblichen Dialog“ interessieren, sind herzlich eingeladen!

Veranstalter: AG Innenstadt / Sozialforum Hanau – attac Hanau – Die Linke. Stadtverband Hanau – DKP Main-Kinzig – Kommunalpolitisches Forum Hessen – Rosa-Luxemburg-Stiftung – Ver.di

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Der Veranstaltungs-Flyer kann hier als pdf-Datei (160 kb) herunter geladen werden.

Virtuelle Stadtführung

Eine virtuelle Stadtführung zum Wettbewerblichen Dialog – für alle Interessierte, Fußlahme und Sonntagsverhinderte!

- Oder: Wenn wenn die Autonomen nicht zur kritischen Stadtführung kommen, kommt die Stadtführung eben zu den Autonomen …

Virtuelle Stadtführung -
Am Dienstag, 2. März um 20.00 Uhr,
im Autonomen Kultur Zentrum
in der Metzgerstraße 8.

Im Anschluss bietet sich dann das traditionelle Nachtcafe‘ ab 22.00 Uhr an, um das gehörte in kleinerer Runde sacken zu lassen.

Der Termin für die nächste richtige ;-) Kritische Stadtführung ist der 14. März 2010. Wie immer Sonntags um 15 Uhr (bis ca. 17 Uhr) Treffpunkt wiederum vor dem CPH auf dem Schlossplatz.