Veranstaltung mit Winfried Wolf

Weltweite Krise und alternative Verkehrspolitik
oder warum Hanau aufs falsche Gefährt setzt

Freitag, 17.1.2014. DGB-Jugendheim. 19.30 Uhr

Hanau im Jahr 2014 ist vor allem eine Baustelle, der Innenstadt-Umbau in vollem Gange. Die Infrastruktur für die nächsten Jahre wird momentan in Beton gegossen. Ein Blick auf die jüngsten Bauprojekte zeigt, welche verhängnisvollen Akzente in der Verkehrspolitik gesetzt werden: Tiefgaragen, Parkhäuser und Mini-Busbahnhof vom neuen Kino über die Französische Allee und den Marktplatz bis zum Freiheitsplatz!

Falls der hiesige Stadtplaner Martin Bieberle ein verkehrspolitisches Leitbild haben sollte, dann ist es das der autogerechten Stadt.
Das ist insofern erstaunlich, da bspw. im Kommunalen Klimaschutzkonzept der Stadt Hanau 2013 „gezielte Maßnahmen zur Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs“1 empfohlen werden und die Hanauer Marketing AG die Stadt ansonsten so radlerfreundlich präsentiert. Es ist allerdings weniger erstaunlich wenn wir bedenken, dass auf höherer Ebene ähnlich kurzsichtig agiert wird.

So erleben wir spätestens seit dem Jahr 2008 in großen Teilen der Weltwirtschaft eine Krise, die eine besondere Ausprägung im Verkehrssektor hat. Die Stichworte hierzu lauten „peak oil“ und Energiekrise, Klimaerwärmung, nicht zuletzt durch verkehrsbedingte CO-2-Emissionen; Zerfall von Detroit, der ehemals größten Autostadt der Welt; Bürgerbewegungen gegen große Infrastrukturprojekte wie „Stuttgart 21“ oder gegen die neue Landebahn am hiesigen Flughafen.

Die Bundesregierung reagierte darauf ähnlich wie die Regierungen in Washington, Peking oder Paris – nämlich grundlegend falsch: Es gab Subventionen in Höhe von Hunderten Milliarden Dollar und Euro für die Autoindustrie, für den Flugzeugbau, für Airlines und für den Straßenbau. Damit aber wird ein Transport- und Mobilitätsmodell buchstäblich betoniert, das mit zur aktuellen Krise der weltweiten Ökonomie beitrug; ein Modell, das einen maßgeblichen Anteil an der Umweltzerstörung und der globalen Klimaveränderung hat.

Aber dieses Verkehrsmodell ist nicht so alternativlos, wie es uns von vielen Entscheidungs-trägern verkauft wird – weder global noch lokal.

Winfried Wolf wird uns in seinem Vortrag berichten, warum das momentane Verkehrswesen nicht weiter tragbar ist, weder sozial noch ökologisch. Er wird darüberhinaus für eine Politik der Verkehrswende plädieren und dazu konkrete Investitionsprogramme vorschlagen.

Die lokale Situation in Hanau werden wir von der Innenstadt AG kurz beleuchten. Besonderer Augenmerk wird dabei auf dem Innenstadt-Umbau liegen, als ehemals sogenannter großer Wurf für diese Stadt. Denn durch die Baumaßnahmen werden momentan undiskutiert Fakten geschaffen, die einen spannungsgeladenen Widerspruch erzeugen zu den verkehrspolitischen Möglichkeiten und Ansprüchen dieser Stadt. Oder anders ausgedrückt: Anstatt den Innenstadt-Umbau für ein innovatives, mutiges, wirklich umweltfreundliches Verkehrskonzept zu nutzen, setzt Hanau weiterhin aufs falsche Gefährt.

Anschließend möchten wir beide Inputs in der Diskussion mit Euch zusammenführen.
Wie bewertet Ihr die Lage? Wie passen die vorgestellten Entwicklungen zusammen? Was ist möglicherweise ein lokaler Selbstläufer? Die anschließende Debatte würden wir gerne mit der Perspektive führen wollen, was wir im Hier und Jetzt tun können, um eine Entwicklung in Richtung sozial gerechter und ökologisch verträglicher Mobilität zu fördern.

Innenstadt AG


1 Antwort auf „Veranstaltung mit Winfried Wolf“


  1. 1 Administrator 20. Januar 2014 um 13:06 Uhr

    Bericht von Anne Lorenc aus der FR-Lokalredaktion zur Veranstaltung am 17.1..
    http://www.fr-online.de/hanau/hanau-weg-von-der-autogerechten-stadt,1472866,25937434,view,asFirstTeaser.html

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