Archiv für Oktober 2010

Konsumparadies statt Lebensqualität – Flyer der KritikerInnen des Wettbewerblichen Dialogs

hier gibt es den Flyer

***Neuer Viedeoclip***
Baumbetrachtungen Teil II
NOTRUF vom FREIHEITSPLATZ HANAU!!! 30.10.2010. Von NetzWERK Zeitlosigkeit e.V.
Infos zum Video siehe Kommentar
(früher) Baumbetrachtungen Teil I

Mietverein der Biber und politische Verdrängung

In der Ausgabe der Hanauer-Post vom 14.10.2010 wird unter dem Titel Sanierung wäre Unfug einmal mehr die Wohnungspolitik der Stadtoberen deutlich. Dabei ist es auch kein Fauxpas, dass im Untertitel steht „Mieterverein steht hinter dem geplanten Abriss an Französischer Allee“. Das Zusammenspiel zwischen den Stadtoberen und dem Mietverein funktioniert offenbar gut:

„Der Mietervereins-Vorsitzende wendet sich auch keineswegs,
wie etwa das „Hanauer Sozialforum“ oder andere Kritiker, gegen
einen Abriss des der städtischen Baugesellschaft gehörenden
Westkarrees an der Französischen Allee. Eine neue Bebauung könne
die Innenstadt aufwerten. Heinz: „Die Sanierung dieser Häuser und
eine eventuelle Umlage dieser Kosten wäre grober Unfug gewesen
und hätte auch von den meisten Mietern nicht bezahlt werden
können.“ (Hanauer Post)

Zum Glück gibt es aufmerksame Zeitgenossen, welche die Aussagen des Vorsitzenden und dessen persönliche Entwicklung gegenüber stellen können. In einem Offenen Brief von Klaus Seibert heißt es dazu:

Sind das wirklich Deine Worte? Mit der so genannten
Aufwertung von Wohnquartieren sind von den Spekulanten, egal ob
von privater oder öffentlicher Seite, immer immense Mieterhöhungen
und damit letztendlich Mietervertreibungen gemeint.

Es kann doch nicht Aufgabe von Mietervertretern sein, dem auch
noch das Wort zu reden. Gerade um gegen solche Machenschaften
vorzugehen, hat mich bewogen, dem Mieterbund beizutreten. Einer,
der mich davon überzeugt hat, warst Du.

Seit nun schon über 20 Jahren wurde den Mietern eine Sanierung
versprochen. Doch getan wurde nichts. Das Gegenteil war der Fall.
Viele Wohnungen dort wurden systematisch entwohnt und dem
stillen Verfall preisgegeben. Die Baugesellschaft nennt diesen
handfesten Skandal in ihren Geschäftsberichten schon seit Jahren
einen „gewollten Leerstand“(!). Ich nenne so etwas eine ganz üble Art
der Spekulation.

Umso verwirrender ist, dass der Vorsitzende des Mietvereins die Problemlagen in Hanau klar benennt, nur sich nicht ganz sicher zu sein scheint wo er denn nun eigentlich steht, in der Hanauer Post heißt es weiter:

Aufgrund seiner „ungünstigen Einkommensstruktur“, die der
Mieterverein Hanau der Brüder-Grimm-Stadt attestiert, gebe es hier
„einen hohen Bedarf an günstigem Wohnraum“. Rund 30 Prozent
aller Haushalte in Hanau hätten aufgrund ihres Einkommens
Anspruch auf eine Wohnung im sozialen Wohnungsbau, so der
Mietervereinsvorsitzende Hans-Egon Heinz.

Heinz befürchtet, dass es „eine Zwei-Klassen-Gesellschaft“ beim
Wohnen geben wird: „Die einen können sich einen hohen Wohnwert
leisten, die Mehrheit wird aber Einschnitte bei der Wohnqualität
aufgrund ihrer Einkommenssituation hinnehmen müssen.

Wie jetzt Hr. Heinz? Die Innenstadt (inklusive Französische Allee) soll aufgewertet werden, und gleichzeitig sollen wir alle Ihre Befürchtung akzeptieren, dass das Einkommensniveau vieler Menschen, welche dort im Moment leben, dann eine „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ beim Wohnen etablieren wird, deren Mehrheit dann Einschnitte bei der Wohnqualität hinnehmen soll? Also ist Ihre „Befürchtung“ dann doch irgendwie eine, die bei Ihnen scheinbar keine große Furcht auslöst?! Sie haben ja die passende Lösung: Umverteilung von Unten nach Oben, basta! Vorschlag: Gründen Sie doch einen Vermieterverein.

Leider Furcht erregend sind die Schilderungen, welche indes vom Mieterrat der Französischen Allee öffentlich werden. Es werden immer weiter MieterInnen, offensichtlich unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit, aus der Französischen Allee hinaus deputiert. Es ist immer wieder der Mieterrat der Französischen Allee, welcher Klarheit in die schleichenden Verdrängungsvorgänge bringt, und sich gegen diese Form der Umbaupolitik wehrt. So heißt es in einem kürzlich geschriebenen Leserbrief von der Vorsitzenden des Mieterrates, Jutta Cerniglia:

Da scheut er (Anmerkung: er = der Biber, Symbol der
Baugesellschaft; hier: symbolisch) sich auch nicht, alte, zum Teil
kranke Menschen gegen ihren Willen aus ihren gemütlich
eingerichteten vertrauten Wohnungen im „Westkarree Französische
Allee“ lotsen zu lassen – gerade kürzlich so geschehen. Die eine Dame
(87 J.) flehte solch eine Helfershelferin an, sie doch noch ein Jahr da
wohnen zu lassen: „Vielleicht sterbe ich ja in der Zeit.“ – „Nein, Sie
müssen ausziehen, das Grundstück ist schon verkauft und die Häuser
werden im Frühjahr abgerissen!“ (was aber bis zum heutigen Tage
nicht schriftlich belegt ist!) Das gleiche bekam ein alter Nachbar (85
J.) zu hören, der mir immer wieder sagte: „Ich will hier nicht weg!“

Und wieder kann die „obere Riege“ der Stadt über zwei
„Auszugswillige“ triumphieren!“

Auch Furcht erregend ist, dass der städtische Aufwertungskurs, welcher zu einer Zerstörung von gewachsenen Sozialstrukturen führt, in gemeinschaftlicher Anerkennung mit Teilen der sozialen Infrastruktur statt findet. Traditionell städtisch soziale Infrastruktur, wie eben der Mietverein, oder neuere soziale Stabilisierungsinstrumente, wie Soziale Stadt, handeln im Falle der Französischen Allee gegen deren eigentlichen Bestimmungsgrundsätze. Dies äußert sich in Öffentlichen Stellungnahmen wie die des Mietvereins, ebenso wie durch Gesprächsangebote des Quartiermanagements bei Mietern. Die Gespräche sollen lediglich den Auszug nahe bringen. Das Zusammenspiel zwischen der Stadt und den sozialen Infrastrukturen ist allem Anschein nach ein Teil einer politisch initiierten Verdrängung. Der Soziologe Andrej Holm beschreibt dies für Hanau auf Nachfrage (18.10.2010, Kommentar) so:

soweit ich die Situation in Hanau kennen gelernt habe würde
ich die Verdrängung der Mieter/innen aus der Französischen Allee als
„politisch initiierten Aufwertung“ beschreiben. Verdrängung wird hier
zur Voraussetzung für einen stadtpolitisch gewünschten und
forcierten Aufwertungsprozess im gesamten Innenstadtbereich.

Bereits im Oktober 2009 hatte er in Hanau einen Vortrag zum Thema Aufwertung und Verdrängung gehalten.

Meteorologe rät dringend zur Berücksichtigung des Klimawandels bei der Stadtplanung

PM Aktuelles Klimagutachten für Hanau unerläßlich

Prof. Dr. Lutz Katzschner, Meteorologe von der Universität Kassel, erläuterte den Kritiker/innen des Wettebwerblichen Dialogs unter dem Titel „Das Stadtklima der Zukunft“ Zusammenhänge zwischen der Art der Bebauung von Städten und dem Klimawandel. Die interne Veranstaltung fand am 27.09.2010 statt.
Prof. Katzschner bezeichnete das Fehlen eines aktuellen Klimagutachtens für Hanau als Manko. Aus seiner Sicht dürfe es stadtplanerische Maßnahmen, wie sie in Hanau mit dem „Wettbewerblichen Dialog“ geplant seien, ohne die Erstellung eines Klimagutachtens nicht geben. Dabei sei es unerläßlich, ein solches Gutachten nach den vom Verband der Ingenieure (VDI) entwickelten Richtlinien zu erarbeiten. Die Innenstadt müsse dabei im Detail untersucht werden, um festzustellen, auf welchen Bahnen Frischluft nach Hanau einfließe. Auch die Frage, wieviel Wärme bereits vorhandene und im Plan befindliche Gebäude abstrahlen, müsse beleuchtet werden. Die Kritiker/innen des Wettbewerblichen Dialogs fordern ein solches Klimagutachten vor allem auch wegen der geplanten Bebauung des „Kinzigbogens“. Eine solche Bebauung war in der Vergangenheit wegen der Risiken für das Stadtklima abgelehnt worden und es ist nicht ersichtlich, wodurch die damaligen Argumente entkräftet worden sein sollten.
Gegenwärtig sei der Trend zu beobachten, dass Städteplaner versuchten, neue Einwohner in die Städte zu locken. Dabei werde durch das Schließen von Baulücken eine dichtere Bebauung der Innenstädte angestrebt. Katzschner erklärte, dass sogenannten Luftleitbahnen aufgrund der verdichteten Bebauung unterbrochen würden und so der Abtransport von schädlichen Gasen, wie etwa dem Kohlendioxid nicht mehr richtig funktioniere.
Neben der gesundheitsgefährdenden Belastung der Atemluft konstatierte Katzschner auch eine Erhöhung der Wärmebelastung für die Menschen in den Städten. Er machte anhand eines Schaubildes deutlich, dass nach heißen Sommertagen die Abkühlung innerhalb dicht bebauter Städte spürbar weniger gut funktioniert als in ländlichen Bereichen. Eine globale Erhöhung der Temperatur um 2 Grad Celsius könne für Innenstädte einen Anstieg der Temperatur um bis zu sechs Grad bedeuten, so der Meteorologe in seinem Vortrag. Katzschner wies darauf hin, dass Luftfeuchte, Temperatur, Sonnenstrahlung und Wind in die Wärmebilanz eines Menschen einfließen.
Der Kasseler Meteorologe zeigte anhand von Klimabewertungskarten Überwärmungsräume der Innenstädte von Kassel und Frankfurt am Main und unterstrich die große Bedeutung von Grünflächen in der Innenstadt. Bäume in kleinen Parkanlagen spendeten tagsüber Schatten und sorgten nachts für eine bessere Abkühlung, so Prof. Katzschner.

Infos zur Forderung der InnenstadtAG
Klimagutachten her und Bürgerpark auf dem Freiheitsplatz

„Dramatische“ Kundgebung!

Innenstadt-AktivistInnen üben Baumbesetzung für Baubeginn, Theatrale Hessenshow – live aus Hanau im Oktober 2011

Heute Mittag am 8. Oktober 2010 ereignete sich Spektakuläres am Hanauer Freiheitsplatz: bereits kurz vor Beginn einer „dramatischen Kundgebung“ der Innenstadt AG des Hanauer Sozialforums waren die ersten AktivistInnen auf eine der alten Platanen am Rande des Platzes geklettert. Eine Übung für den Ernstfall, den Baubeginn des neuen Einkaufszentrums am Freiheitsplatz, der für den Herbst 2011 angekündigt ist.

die ganze Kundgebung gibt es hier als Theaterskript Skript Dramatisches Theater. Bilder gibts hier Schau mal

Seit einigen Wochen rumort es rund um den Freiheitsplatz. Mitten auf dem Platz liegt seine Geschichte auf einmal an der Oberfläche. Archäologische Ausgrabungen haben zu Tage gefördert, was bald schon einer Tiefgarage unter dem neuen Einkaufszentrum weichen soll. Seitdem der großer Wall ausgehobener Erde direkt auf dem zentralsten Hanauer Platz liegt, tummeln sich immer Leute entlang des Bauzauns, diskutieren und mehr und mehr wird Unmut laut.

Direkt daneben dekorierten die BaumbesetzerInnen den Baum mit einem Mobile aus Baufahrzeugen. Und in luftiger Höhe ziert das Konterfei des Sozialdezernenten Weiss-Thiel eine überdimensionierte Spielkarte. „Klima-Assi“ steht darauf. Weiss-Thiel hatte kürzlich jeden Baum zum Klima-Ass ernannt, ist jedoch als Mitglied des Magistrats mitverantwortlich für die geplante Abholzung der rund 100 z.T. stattlichen Bäume auf dem Freiheitsplatz.

In einer anderthalbstündigen „Hessenshow“ des „Hessischen Randfunks“, fiktiv im Oktober 2011 zum Baubeginn, geht es bald drunter und drüber. Ein Claus-Kaminsky-Fanclub feuert den Hanauer Oberbürgermeister an: „Lieber Claus, schmeiß endlich Haus für Haus die Armen aus Hanau raus!“ Während die Frauen vom Mieterrat der Französischen Allee, deren Wohnungen zwecks Ansiedlung Besserverdienender abgerissen werden sollen, authentisch wie immer klarmachen: „Wir lassen uns nicht vertreiben!“ Ein vorbeikommender EZB-Banker wird kurzerhand auf den besetzten Baum entführt. Die Aktivisten entblößen mit klaren Argumenten und in kämpferischer Form die einfachen kapitalistischen Startegien auf dem Wohnungsmarkt – Unterlassene Sanierungen führen zu Verfall der preisgünstigen Wohnungen. Aufwertungsideen sollen dann gleichzeitig neue Bevölkerungsmileus kreieren. Die alten Mieter sollen raus bevor aufgewertet wird. Gentrifizierung also als Programm der Stadtentwicklungspolitik, als Vorausstzung für Investitionen. Im Unterschied dazu regelt bei der klassischen Gentrifizierungstheorie der Wohnungsmarkt dies selbst, so das Gentrifizierung Ergebnis von Aufwertung ist. Natürlich beides scheiße!!

Auf dem Boden fordert eine Passantin ein neues Klimagutachten für die Stadt und den Erhalt der alten Bäume. Dann der Auftritt der lange tot geglaubten Schlagerlegende Alexandra. Mit „Mein Freund der Baum ist tot!“ bietet sie eine Karaoke-Einlage.

Hessenshow-Moderatorin Nina auf dem Baum hat unterdessen alle Hände voll zu tun: nach der Entführung des Bankers wird sie auch noch Zeugin, wie OB Claus schlussendlich selbst zur Motorsäge greift – doch dann werden die Motorsägengeräusche übertönt: Demogeräusche. Nina ruft: „Viele Menschen kommen aus der Fahrstraße Richtung Bauzaun auf die Polizeiketten zu. Sie haben Transparente dabei, ich kann eine Eidechse erkennen und ein Transparent: Gestern Stuttgart, heute Hanau“. Als die DemonstrantInnen gegen das Einkaufszentrum (ganz vornedran die „Autonomen Einzelhändler“) schließlich Pinienkerne nach den aufgezogenen Polizeikettenn schmeißen, ist plötzlich Ruhe: „Aufgrund einer Bild- und Tonstörung muss die Übertragung leider beendet werden.“

Die Show ist witzig, alle Beteiligten haben Spaß bei der Sache – und werden wieder kommen. Bis zum Baustopp – wie in Stuttgart, das in der Hessenshow 2011 bereits als gescheitertes Bauprojekt Geschichte gemacht hat. Auch die immer so ca. 60 Zuschauer sind aufmerksam dabei. Viele bleiben sogar die ganze 1 1/2 Stunden.

Die BaumbesetzerInnen sagen: Jeder Baum der gefällt wird, ist einer zuviel. Wir Hanauer/innen brauchen kein weiteres Einkaufzentrum, was wir wollen, ist ein Bürgerpark auf dem Freiheitsplatz!

Keine Verdängungspolitik. Stop dem ständigen Nerven der Mieter/innen sie mögen doch bitte noch schnell ausziehen. Lasst den Scheiß endlich sein! Hört auf die Menschen zu belästigen. Gentrifiziert euch doch selber!

AG Innenstadt Logo

„Dramatische“ Kundgebung – 8. Oktober – ab 12:30 bis Nachmittages, am Schwannenbrunnen

„HessenShow live von der Event-Baustelle“
Am Freitag „dramatische Kundgebung“ der AG Innenstadt
„Uns reicht’s allmählich!“ meint Herwig Putsche, Mitglied der AG Innenstadt des Hanauer Sozialforums. Seit 2002 werde die Hanauer Bevölkerung von der Politik mit der Planung eines Einkaufszentrums auf dem Freiheitsplatz genervt. Hinzu komme das ständige Gerede von einer „Aufwertung“ der Innenstadt in Form des Austausches von Billigmietern durch Ansiedlung von wahlweise „jungen Familien mit ordentlichen Berufen“, EZB-Bankern, Goldschmieden, der „Mittelschicht“ etc.
„OB Kaminsky hat unsere Geduld jetzt lange genug strapaziert“, erläutert Putsche, „jetzt muss endlich mal richtig losgelegt werden!“
Deshalb überspringe die AG Innenstadt jetzt einfach mal das eine Jahr bis zur geplanten Eröffnung der Event-Baustelle für das Einkaufszentrum im Herbst 2011 und verlege den Baubeginn kurzerhand auf den kommenden Freitag, den 8. Oktober.
In Form einer „dramatischen Kundgebung“ – der „Hessenshow live“ – werde ab 12.30 Uhr bis zum Nachmittag der Baubeginn gefeiert und über die Stimmung vor Ort berichtet.
Ort des Geschehen ist der Schwanenbrunnen am Freiheitsplatz.