Archiv für August 2010

STEHN GEBLIEBEN – KlIMAGUTACHTEN HER

Für den Investor HBB haben sich die Hanauer Verantwortlichen nun entschieden. Am Freiheitsplatz soll es losgehen. Der Platz soll zum Teil verkauft und die Bäume wahrscheinlich gefällt werden. Ein mehrteiliger Betonkomplex soll den Platz dominieren, die Fläche weiter versiegelt werden. Die Durchlüftungsfunktion des Platzes wird dadurch vermindert. Diese ist insbesondere an heißen Tagen sehr wichtig. Zudem werden extreme Hitzeperioden in der Zukunft zunehmen. Der Klimawandel fordert also, dass mehr Frischluftzufuhr für die Innenstadt nötig ist.
Die Pläne für ein Einkaufszentrums auf dem Freiheitsplatz sind bei HBB sicherlich schon lange in der Schublade, damit lässt sich schneller Profit erhoffen. Die Hanauer Verantwortlichen müssen nur noch schnell alles absegnen, dann geht’s los. ABER HALT! Wo ist eigentlich ein entsprechendes Klimagutachten der Stadt Hanau? Scheinbar noch nicht in der Schublade. Das letzte veröffentlichte gesamtstädtische Klimagutachten ist von 1992 (!!). Dass der Klimawandel stärker in Städten, und insbesondere in stark besiedelten Stadtregionen wie Rhein-Main, zu spüren sein wird, müsste doch eigentlich auch inzwischen bei Kaminsky & Bieberle angekommen sein? Ein großes Problem in den Städten ist in diesem Zusammenhang die zunehmende Versiegelung der Böden. Im Gegensatz zu Grünflächen nehmen diese kein Wasser auf, sondern führen es ab. Das gespeicherte Wasser hingegen verbessert bei Verdunstung die Luftfeuchte in der direkten Umgebung. Ein weiterer Aspekt ist, dass versiegelter Böden sich stärker aufheizen als Grünflächen. Insbesondere das Aufheizen der Innenstädte ist sehr problematisch. Je mehr Fläche innerhalb der Stadt versiegelt bzw. bebaut ist, desto heißer wird es in der Stadt und desto länger steht die Hitze im Sommer zwischen den Gebäuden, weil Freiflächen, welche Raum zum durchatmen bieten fehlen. So heißt es im Klimagutachten für Hanau von 1992, dass in Hanau die allgemein bekannten stadtklimatologischen Effekte im dicht bebauten Citybereich deutlich hervortreten. „Hauptkennzeichen ist eine Überwärmung und hohe Schadstoff- und Abwärmeemission; das Bioklima ist aufgrund dessen als ungünstig zu bezeichnen.“ Die klimaökologische Bedeutung von Park- und Grünflächen in der Innenstadt ist somit sehr groß und sollte weiter gefördert werden, anstatt mit dem Bau eines Einkaufszentrums den negativen Trend fortzusetzen.

Neue Ideen müssen her

Aber statt nach wissenschaftlichen stadtökologischen Kenntnissen die Stadt ökologisch zukunftsfähig zu gestalten, wird in der Presse mit aussagelosen Vergleichen jongliert. Die Baumzahl pro Kopf von Hanau wird mit der Zahl von Freiburg i.Br. verglichen, um sich als besonders grüne Stadt zu präsentieren (1). Wie wäre es mit weiteren Kennzahlen wie Grün- und Parkanlagen, Straßenbegleitgrün und Schulgrünflächen etc.? Doch es bringt nichts die bessere, oder beste Stadt zu sein. Wozu erneut diese sinnlose Standortrhetorik, welche die Städte in Konkurrenz zueinander setzt, und dabei die Bedürfnisse und Anliegen ihrer Bewohner aus den Augen verliert? Es muss darum gehen das Stadtklima für uns HanauerInnen zu verbessern. Die geplanten Baumaßnahmen am Freiheitsplatz führen jedoch zu einer Verschlechterung des kleinräumigen Klimas. Ein genauerer Blick nach Freiburg zeigt, dass dort ebenfalls ein Platz umgestaltet werden soll (Platz der Alten Synagoge). Dort gibt es ein Klimagutachten. Dieses Klimagutachten weist Mängel auf, wie ein Freiburger Meteorologe entdeckt hat, so dass die öffentliche Diskussion um Klimawandel und Platzgestaltung in vollem Gange ist (2). Die Bäume dort bleiben auf alle Fälle stehen, und weitere werden dazu gestellt (3). Bereits 2003 hat Freiburg eine gesamtstädtische Stadtklimaanalyse gemacht. Diese Kenntnisse erst ermöglichen es allen BewohnerInnen sich an der Diskussion zu beteiligen. Klasse ist natürlich der Vorschlag des Freiburger Klimabündnis für einen grünen ruhigen sommerkühlen Platz mit 2000 Fahrradabstellplätzen und Solarnutzung (4).
OB Kaminsky kündigt für Hanau nun an, dass „für die gesamte City in den nächsten Monaten ein Grünkonzept erarbeitet werden soll“ (5). Uns reicht das nicht! Der Wettberwerbliche Dialog ist seit mehr als 2 Jahren gestartet, das letzte Klimagutachten liegt 18 Jahre zurück. Eine unverantwortliche Stadtverdichtung ohne klimarelevante Sachkenntnisse führt zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen. Hanau braucht innerstädtische grüne Ausgleichsflächen für das Klima und für die Menschen.

Bürgerpark statt Beton- und Glaswüste

Der Freiheitsplatz wäre aus verschiedenen ökologischen Gesichtspunkten der ideale Platz für einen zentralen und öffentlichen BürgerInnen-Park. Es würde die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt erheblich verbessern, wenn es einen Park zum Flanieren und Pausieren direkt in der Innenstadt gäbe, am besten in Verbindung mit einem Spielplatz und bequemen (Senioren gerechten) Sitzgelegenheiten. Auch die Platanen auf dem Freiheitsplatz – für die sich z.B. die Grünen engagieren, die ansonsten aber eifrige Verfechter des „Wettbewerblichen Dialogs“ sind – wären so in einer schöneren angenehmeren Umgebung als direkt neben der geplanten ShoppingMall. Für den Neubau einer Stadtbibliothek wäre sicherlich Platz, ebenso wie für ein Café. Der Busbahnhof könnte etwas verkleinert werden und die Parkplätze wie auch der Autoverkehr sollten am besten ganz verschwinden.
Wir lehnen nach wie vor die Umbaumaßnahmen des Wettbewerblichen Dialoges ab. Wir fordern eine sozial-gerechte und ökologisch-nachhaltige Stadtentwicklung. Die Lebensqualität in Hanau würde erheblich gesteigert, wenn auf dem Freiheitsplatz Grünzonen als Kaltluftinseln geschaffen würden, statt den Platz als letzte große zentrale Freifläche in der Innenstadt mehrgeschossig zuzubauen. Für die Schaffung neuer städtischer Klimaressourcen am Freiheitsplatz, und überall in der Stadt!

(1) Frankfurter Rundschau – Alles Grün, 30.06.2010
(2) Badische Zeitung – Doch Klimawandel durch neuen Platz der alten Synagoge, 25.06.2010
(3) Freiburg.de
(4) Klimabündnis Freiburg.de
(5) Frankfurter Rundschau – Bäume kein Hindernis, 09.08.2010