Archiv für Dezember 2009

Folien Dr. Andrej Holm vom 22.10.09

Ein kleiner Bericht über die Eindrücke Andrej Holms von der Hanauer Situation finden sich auf seinem
Gentrification-Blog.

Im Folgenden die Präsentation auf der interessanten und lehrreichen Veranstaltung am 22.10.09, die uns Andrej Holm dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt hat!

PM nach gelungener Veranstaltung

Veranstaltung am 22.10.2009: „…das Quartier so gestalten, dass junge Familien mit ordentlichen Berufen im Karree wohnen…“ mit Dr. Andrej Holm

Am gestrigen Abend, den 22. Oktober fand im DGB Jugendheim in Hanau die Veranstaltung „…das Quartier so gestalten, dass junge Familien mit ordentlichen Berufen im Karree wohnen…“ der Innenstadt AG des Hanauer Sozialforums statt. Thema der Veranstaltung waren Verdrängungsprozesse im städtischen Raum. Eine Relevanz für Hanau hat das Thema aufgrund des im Zuge des Wettbewerblichen Dialogs geplanten Abrisses der Häuser in der Französischen Allee und der „Aufwertung“ des Viertels durch „höherwertige“ Wohnformen. In diesen sollen dann nicht mehr dieselben BewohnerInnen wie bisher leben, sondern stattdessen „den Leistungsträgern der Gesellschaft vorbehalten werden“, wie der Hanauer Sozialdezernenten Axel Weiß-Thiel es ausdrückte (Frankfurter Rundschau, 06.07.2009).

Die Veranstaltung war mit 50 BesucherInnen gut besucht. Unter ihnen viele Mitglieder des Mieterrats der Französischen Allee, die sich durch ihre T-Shirts mit der Aufschrift „Abriss statt Sanierung“ zu erkennen gaben.
Auf der Veranstaltung sprach zunächst der Stadtforscher Dr. Andrej Holm (Goethe-Uni Frankfurt). Anhand von internationalen Beispielen zeigte er verschiedene Formen der Verdrängung auf. In der Beschreibung, wie solche Prozesse ablaufen und dabei von städtischer Seite aus meist geleugnet werden, fanden sich viele der ZuhörerInnen wieder.

Manches konnte recht gut auf die Situation in Hanau übertragen werden. Als besonders inspirierend stellten sich Erfahrungen heraus, die im Widerstand gegen Verdrängungsprozesse an anderen Orten gemacht wurden. Als zentrales Element des Widerstands ließ sich der Zusammenhalt zwischen den Betroffenen ausmachen. Dabei sollten die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Personen jedoch nicht vergessen werden. An dieser Stelle scheint der Mieterrat der Französischen Allee auf einem guten Weg zu sein.

Die Ideen für Protestaktionen reichten bei weitem über solche recht allgemeine Feststellungen hinaus und wurden im Laufe der Diskussionen an einigen Stellen zunehmend konkret, so dass davon auszugehen ist, dass der Widerstand gegen die Verdrängung der angestammten BewohnerInnen noch lange kein Ende gefunden hat und auch mit der Auftragsvergabe an einen Investor nicht beendet sein wird.

Veranstaltung am 22.10.2009

Einladung zur Veranstaltung mit Andrej Holm am 22.10.09 im DGB-Jugendheim

Aufwertung, Wettbewerb und Investoren –

Wie der Neo-Liberalismus in die Hanauer Stadtplanung kam (und wieder verschwand?)
Kritische Veranstaltung zur Hanauer Stadtpolitik mit Dr. Marit Rosol vom Institut für Humangeographie Frankfurt und VertreterInnen der AG Innenstadt des Hanauer Sozialforums.

Stadtpolitik ist aktuell gekennzeichnet durch ein Verwischen der Aufgabenbereiche zwischen staatlichen und privaten Akteuren. Hier in Hanau wird gerade im sogenannten „Wettbewerblichen Dialog“ die gesamte Innenstadt zur Umgestaltung durch einen einzigen Investor ausgeschrieben.
Bei der Veranstaltung wird uns die Stadtforscherin Dr. Marit Rosol einen Überblick über neoliberale Strategien in der Stadtentwicklung geben. Danach werden VertreterInnen der AG Innenstadt Entwicklungen in der Hanauer Stadtpolitik nachzeichnen. In diesem Beitrag werden wir deutlich machen, dass für uns der „Wettbewerbliche Dialog“ nur die Spitze eines neoliberalen Eisberges ist. In der anschließenden Diskussion möchten wir mit euch gerne über konkrete Interventionsmöglichkeiten als betroffene BewohnerInnen und kritische Öffentlichkeit diskutieren.

20.4.2009, DGB-Jugendheim, 19.30 Uhr

Presse-Dokumentation zur Veranstaltung am 20.4. mit Marit Rosol

Hanau
Stadt als Spielplatz der Investoren
Viel Kritik am „Wettbewerblichen Dialog“ beim Infoabend des Sozialforums
VON UTE VETTER

Der Wettbewerbliche Dialog ist eine Riesen-Mogelpackung, die Bürger sind dank eines genialen
Marketings verblendet worden – Grund und Boden des Freiheitsplatzes gehen an einen Investor, um
ihn zu bebauen und Geld in die Stadt zu bringen“. Viel Beifall erhielten derlei kritische Beiträge
beim Diskussionsabend des Sozialforums am Montagabend im DGB-Jugendheim. Über 60 Bürger -
darunter wenige Linke und Grüne – äußerten überwiegend heftige Kritik am „Dialog“. Mit diesem
Verfahren pickt die Stadt bis Herbst einen Großinvestor heraus, der Innenstadt-Bereiche neu planen
und teils bebauen soll. Viele kritisierten zudem, sie wüssten nicht, wer warum welche Bürger oder
Vereinsvertreter in den Bürgerbeirat entsandt habe. Ein Bürgerbegehren sei zu überlegen.
Dr. Marit Rosol, Stadt- und Regionalplanerin vom Institut für Humangeographie Frankfurt,
erläuterte, Städte müssten sich heute profilieren im Wettstreit ums beste Image. Gefragt sei Profit
statt Gemeinwohl. Städte wandelten sich zu Unternehmen, Aufgaben würden privatisiert oder
ausgelagert, „alles wird zur Ware gemacht, es gibt kein kollektives Ganzes mehr“. Innenstädte
sollten Visitenkarten einer Kommune sein, Planer seien „urban manager“, um Investitionen
anzulocken. Zudem finde eine Privatisierung von einst hoheitlicher Planung statt; die
Aufgabenbereiche zwischen stattlichen und privaten Akteuren vermischten sich.

Dialog bedeute Partizipation, also Teilhabe, so Rosol. „Aber wer wird hier beteiligt? Welcher
Rahmen wird gesetzt? Wer darf mitreden? Wo sind die Sachzwänge?“ Verschleiert werde, dass es
„ungleiche Kräfteverhältnisse gibt, nämlich wirtschaftliche Macht und unterschiedliche politische
Durchsetzungsfähigkeit“.

Alte Mieter der vom Abriss bedrohten Einfachwohnungen in der Französischen Allee (dort sollen
laut Dialog neue Wohnungsbauten für eine „vitale Zielgruppenmischung“ sorgen) betonten, sie
lebten gerne dort, „niemand hat uns nach unseren Bedürfnissen gefragt“. Holger Tröge (Grüne)
erklärte, Hanauer Architekten hielten dieses Projekt für aussichtslos, da das gesamte Wohnumfeld
gar nicht dazu passe.

Zwei Einzelhändler vom Freiheitsplatz sagten, der Dialog berge Chancen und Risiken. Innenstädte
hätten per se Einkaufs-Funktionen und Veränderungen in der City nötig, „denn niemand will nur
noch Billig- und Handyläden“. Aber das müsse im Einklang mit dem Bestehenden geschehen.
Eine Vertreterin der Friedensplattform nannte die Investorenpläne „entsetzlich“; zudem fehlten
umweltfreundliche Verkehrskonzepte völlig. Jochen Dohn (Linke) kritisierte den „Hype“ um den
Dialog, Investoren wollten nur Geld, Hanau interessiere sie nicht. Nur die Wirtschafts- und
Finanzkrise könne das stoppen. Das habe sich zuletzt beim Endinvestor des Fachmarktzentrums
Kinzigbogen auf dem Gleisbauhof im Lamboy gezeigt, der abgesprungen sei.
Gerhard Ziegler (Gesprächskreis Innenstadt) sagte, die Entscheider seien „ein kleiner Kreis um
Oberbürgermeister Claus Kaminsky“. Das Mehrheitsbündnis aus SPD, FDP, Grünen und BfH nicke
alles ab. Daran solle man denken bei der OB-Wahl am 17. Mai.

Das Sozialforum
Im und um das Sozialforum Hanau gruppieren sich unter anderem Organisationen wie Attac
Hanau, Autonomes Zentrum Metzgerstraße, Basta-Café, die Bürgerinitiative Stop Staudinger, das
Bündnis gegen Rechtsextrem Bruchköbel, das Bündnis für Bleiberecht, der DGB Südost-Hessen und
andere mehr. Die Arbeitsgruppe Innenstadt des Sozialforums beschäftigt sich unter anderem mit der
Hanauer Stadtplanung. Kontakt: Tel. 01 51 / 51 84 86 50.