Archiv für November 2009

Offener Brief an die Hanauer Grünen

Warum wir von einer Partei mit sozial-ökologischen Profil ein Nein zum „WeDi“ erwarten.

Am 7. Dezember soll in der Hanauer Stadtverordnetensitzung beschlossen werden, dass der „Wettbewerbliche Dialog“ in die Angebotsphase geht. Ebenfalls am 7. Dezember beginnt in Kopenhagen der UN-Klimagipfel. Zwei Ereignisse die scheinbar nichts miteinander zu tun haben? Wir meinen doch!
Rund um den Klimagipfel überschlagen sich jetzt bereits furchterregende Prognosen über die weitere Erwärmung der Erde samt katastrophalen Folgen für große Teile der Menschheit und es ist klar, dass sich weltweit vieles ändern muss, um die Klimaerwärmung zumindest zu verlangsamen. Doch was heißt das auf einer ganz lokalen Ebene? Was bedeutet das für uns in Hanau? Was heißt das für Großprojekte wie den „Wettbewerblichen Dialog“, den ihr als Grüne Fraktion mitunterstützt?

Das Verkehrskonzept, die Bebauung des bisher öffentlichen Freiheitsplatzes und die Verdrängung der alteingesessenen BewohnerInnenstruktur durch den Abriss von Häusern der Baugesellschaft sind unseres Erachtens alles Aspekte, die auch aus einer ökologischen Perspektive betrachten werden müssen und die wir von euch erwartet hätten.

Öffentlicher Nahverkehr statt Klimakiller
Die Planungen, die eine Verkleinerung des Busbahnhofs auf dem Freiheitsplatz vorsehen, um mehr Platz u. a. für ein Einkaufszentrum zu haben, fußen nicht auf einer solchen ökologischen Perspektive. Müsste der öffentliche Nahverkehr, der in Hanau bisher gut genutzt wird, nicht eher ausgebaut werden, um noch attraktiver zu werden? Und zwar gerade auch für BesucherInnen der Innenstadt! Ein Beispiel aus Belgien könnte hier Schule machen. In Hasselt (mit 70.000 EinwohnerInnen vergleichbar mit Hanau) hatte das Stadtparlament 1997 eingeführt, dass der öffentliche Busverkehr für alle kostenlos zur Verfügung steht! Ein Ergebnis ist, dass die Stadt dadurch touristischer Anziehungspunkt über die Region hinaus geworden ist. Statt täglich durchschnittlich 1.000 Fahrgästen (1996) fuhren 2006 bereits 12.600 Menschen mit dem Bus, die Gastronomie boomt und die Geschäfte der überdurchschnittlich vielen Läden laufen gut. Insgesamt bilanziert der dortige Bürgermeister: mehr Lebensqualität, bessere Luft, keine Staus und im Großen und Ganzen zufriedenere Bürgerinnen und Bürger. (Quelle: www.wdr.de/themen/verkehr/oepnv/hasselt/index.jhtml)
Statt also solche Potenziale zu nutzen, liegt der Fokus in Hanau darauf – ganz unökologisch – den Individualverkehr weiter in die Innenstadt fahren zu lassen und die Autos in einer Tiefgarage zu verstecken, anstatt deren Zahl zu verringern, was sowohl für das globale als auch für das städtische Klima absolut zukunftsweisend wäre.

Bürgerpark statt Beton- und Glaswüste
Der Freiheitsplatz wäre aus verschiedenen ökologischen Gesichtspunkten der ideale Platz für einen zentralen und öffentlichen Bürger-Park. Sicherlich wisst ihr, dass ein großes Problem nicht nur im Rhein-Main-Gebiet die zunehmende Versiegelung der Böden ist. Auch das Aufheizen der Innenstädte ist sehr problematisch. So heißt es im Klimagutachten für Hanau von 1992 (ein aktuelleres Klimagutachten ist immer noch nicht veröffentlicht!) zum Innenstadtklima, dass in Hanau die allgemein bekannten stadtklimatologischen Effekte im dicht bebauten Citybereich deutlich hervortreten. „Hauptkennzeichen ist eine Überwärmung und hohe Schadstoff- und Abwärmeemission; das Bioklima ist aufgrund dessen als ungünstig zu bezeichnen.“ (Klimagutachten 1992 S.37) Die klimaökologische Bedeutung von Park- und Grünflächen in der Innenstadt ist somit sehr groß und sollte weiter gefördert werden, anstatt mit dem Bau eines Einkaufszentrums den negativen Trend fortzusetzen.
Im Angesicht des immer stärkeren Klimawandels fordern ÖkologInnen und StädteplanerInnen die Ausweitung von Grünzonen in städtischen Räumen. Dies sind absolut notwendige Maßnahmen um einer weiteren Verschlechterung des Stadtklimas bei höherer Erwärmung v.a. in den Sommermonaten entgegen zu wirken. Hanau weist von jeher ein erhebliches Grünflächendefizit gerade im Bereich der Innenstadt auf. Wir können es nicht fassen, dass eine Partei mit Eurem Anspruch beim größten Umbau der Stadt seit dem Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg den wirtschaftlichen Interessen von Stadt und Investoren absolut zentrale Bedeutung einräumt, während ökologische Aspekte allenfalls homöopathisch dosiert in die Planungen einfließen. Wir verstehen nicht, dass Ihr daran mitarbeitet, den Freiheitsplatz als letzte große Freifläche städtischen Raumes (und damit auch Klimaressource) mehrgeschossig zuzubauen, statt beispielsweise die Schaffung von Grünzonen als Kaltluftinseln als selbstverständliche Forderungen auf Eure Fahnen zu schreiben.
Es würde die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt erheblich steigern, wenn es einen Park zum Flanieren und Pausieren direkt in der Innenstadt gäbe, am besten in Verbindung mit einem Spielplatz. Und auch die Platanen auf dem Freiheitsplatz – für die sich Einige von euch dankenswerter Weise engagieren – wären so in einer besseren Gesellschaft als direkt neben dem geplanten Betonklotz.
Sicherlich sehen die Pläne auch die überfällige Schaffung von geeigneten Räumen für die Stadtbibliothek und das Stadtarchiv vor. Zentraler Ankerpunkt für die Bebauung des Freiheitsplatzes ist aber doch unbestritten der Bau des zentralen Einkaufszentrums. In diesem werden dann – zu Lasten des gewachsenen Einzelhandels – Global Player und Handelsketten ihre Waren verkaufen, die meist unter miserablen sozialen und ökologischen Bedingungen hergestellt und energieintensiv über den ganzen Globus transportiert wurden.

Verdrängung von Bevölkerungsgruppen aus der Innenstadt
Sanierung statt Abriss – die Forderung des Mieterrates in der Französischen Allee bezieht sich natürlich erst einmal auf die sozialen Folgen, die der wettbewerbliche Dialog durch die Verdrängung der alteingesessenen Bevölkerungsstruktur mit sich bringt. Neben dem sozialen Aspekt, den MieterInnen die lange versprochene Sanierung vorzuenthalten und sie stattdessen rauszuwerfen, bleiben an diesem Punkt aber auch offene ökologische Fragen: Wären z.B. Neubauten nicht auch ressourcenfressender als eine Sanierung der Häuser? Wäre nicht auch hier eine Sanierung nach ökologisch verträglichen Kriterien angebracht? Und warum unterstützt ihr den Bau „hochwertigen“ Wohnraums, ohne zumindest ökologische Standards anzulegen, wie beispielsweise den Bau von energiesparenden Passivhäusern zu fordern?

Es gibt sicherlich noch mehr als die hier genannten Gründe, warum der „Wettbewerbliche Dialog“ aus einer ökologischen und einer klimaorientierten Perspektive abzulehnen ist. Zudem sind die sozialen Kosten der geplanten Aufwertung – wie die Verdrängung von Bevölkerungsgruppen aus der Innenstadt oder die Privatisierung öffentlicher Flächen, um nur zwei von vielen Punkten zu nennen – in der öffentlichen Debatten bereits mehrfach benannt worden. Nun gilt es auch entsprechend zu handeln.
Für eine Partei mit sozialem und ökologischen Profil ist ein Nein zum WeDi überfällig. Euer Nein zum WeDi ist am 7.12. und darüber hinaus also absolut notwendig.

Innenstadt AG des Hanauer Sozialforums

Kundgebung am 7.12.09

Wir rufen auf zur
Kundgebung gegen den „Wettbewerblichen Dialog“
am Montag, 7. Dezember 2009 um 14.30 Uhr
vor dem Hanauer Rathaus
und anschließendem Besuch der Stadtverordnetensitzung

Am 7. Dezember soll das Hanauer Stadtparlament entscheiden, ob der „Wettbewerbliche Dialog“ mit den zwei übrig gebliebenen Investoren HBB und 3W fortgeführt werden soll. Wir wollen diesen Termin nutzen, um den Stadtverordneten unsere grundsätzliche Kritik an diesem Verfahren nahezubringen.

Mit dem „Wettbewerblichen Dialog“ sind gravierende Folgen für die in Hanau lebenden Menschen verbunden. Nach den Plänen der Stadt soll der Freiheitsplatz mit dem Bau eines weiteren Einkaufszentrums weitgehend privatisiert werden, an anderen Stellen ist der Abriss von Wohnungen vorgesehen, die dem Neubau von Wohnungen für Besserverdienende, einem Hotel und einem Kinokomplex weichen sollen.

Folgen für die Wohnbevölkerung
Mit dem geplanten Abriss der Baugesellschaftshäuser in der Französischen Allee sollen die teils seit Jahrzehnten dort lebenden Menschen umgesiedelt werden. Diese Menschen warten seit zehn Jahren vergeblich auf die versprochene Sanierung ihrer Wohnungen, die aus „Kostengründen“ immer wieder verschoben wurde. Gleichzeitig investierte die Baugesellschaft in den teuren Bau von Eigentumswohnungen, die lange nach ihrer Fertigstellung immer noch leer stehen. Jetzt wird behauptet, die Baugesellschaft könne sich eine Sanierung der Wohnhäuser nicht leisten. Als Beweis wird ein – bereits veraltetes – Gutachten angeführt, das von einem unabhängigen Architekten bereits zerpflückt wurde. Prompt werden neue Zahlen hervorgezaubert, die schon ins Absurde gehen.

In der Französischen Allee regt sich Widerstand und es hat sich ein Mieterrat gegründet, um die Verdrängung und Entwurzelung der alteingesessenen Bewohner/innen zu Gunsten Besserverdienender zu stoppen. Die Möglichkeiten, die Abrisspläne der Stadt mit Hilfe des Mietrechtsschutzes zu blockieren, stehen recht gut. Was wird dann aus dem „Wettbewerblichen Dialog“?
 
Auch in der Hanauer Altstadt sehen die Pläne der Investoren den Abriss von kostengünstigem Wohnraum vor, dessen Instandhaltung die Baugesellschaft seit Jahren vernachlässigt. Der Investor HBB will an der Nordstraße an Stelle der dortigen Wohnhäuser ein Multiplex-Kino bauen. Am Schlossplatz soll ein Hotelkomplex entstehen, weil die Stadt dann angeblich ein paar Kongresse mehr ins CPH bekommen könnte. Auch dafür soll kostengünstiger Wohnraum vernichtet werden.

In der Altstadt, an der Französischen Allee, aber auch in anderen Teilen Hanaus lässt die Baugesellschaft zahlreiche Wohnungen leer stehen. Gleichzeitig steigen die Zahlen der bei der Stadt Hanau gemeldeten Wohnungssuchenden wieder an.

Früher gab es eine „Zweckenentfremdungsverordnung“, nach der auch der Leerstand von Wohnungen mit Bußgeldern geahndet wurde. Heute sorgt die Stadt Hanau als Betreiber der Baugesellschaft selbst für diesen Leerstand.

Hanau soll attraktiver werden?
Dagegen haben wir nichts. Aber wir bezweifeln, dass der „Wettbewerbliche Dialog“ dafür sorgen wird. Wer braucht denn ein glitzerndes Einkaufszentrum auf dem Freiheitsplatz? Wer kann noch mehr einkaufen von dem Geld, das für Viele immer weniger wird? Wer kann noch ein weiteres Restaurant besuchen, wenn die bereits vorhandenen schon unter Umsatzeinbußen klagen?

Der Grundgedanke hinter diesem Einkaufszentrum wie auch hinter dem gesamten „Wettbewerblichen Dialog“ ist, dass mehr kaufkräftige Menschen nach Hanau kommen. Sie sollen an Stelle hier bereits lebender Hanauer/innen in „höherwertige“ Wohnungen ziehen, sie sollen als Konsumenten kommen oder als Touristen. Damit verbunden wäre natürlich, dass die mitgebrachte Kaufkraft dann woanders abgezogen würde -vor allem aus dem Umland. Mit dieser gewollten Konkurrenz und in dieser Logik müssten dann anderen Orts die Geschäftsviertel veröden. Aber das kann auch in Hanau gleich um die Ecke passieren – z.B. in der Rosenstraße, der Fahrstraße, der Nürnberger Straße. Nicht zu vergessen, dass an der Stelle des alten Schlachthofes ja auch noch ein Einkaufszentrum gebaut wird.
Hinzu kommt, dass eine Privatisierung öffentlichen Raumes, wie am Freiheitsplatz geplant, nicht im Interesse der Hanauer Bürger/innen sein kann.
Hanau soll attraktiver werden! Aber nicht auf diese Art – und nicht über den Kopf der Hanauer/innen hinweg!

Der „Wettbewerbliche Dialog“: kein Dialog mit den Bürger/innen
Im Zuge des „Wettbewerblichen Dialogs“ sollen große Teile der Innenstadt vollkommen umgekrempelt werden. Eine Beteiligung der davon betroffenen Hanauer Bürger/innen findet jedoch nicht statt. Die vom Abriss ihrer Wohnungen bedrohten Bewohner/innen der südlichen Innenstadt und der Altstadt, aber auch die Anwohner/innen der künftigen mehrjährigen Riesenbaustelle am Freiheitsplatz wurden und werden nicht über die konkreten Pläne informiert. Stattdessen wurde mit der Einberufung eines handverlesenen und zur Verschwiegenheit verpflichteten „Beirats“ eine Bürgerbeteiligung lediglich simuliert. Und die direkt Betroffenen blieben außen vor.

Erst auf Druck des Mieterrats in der Französischen Allee fand eine so genannte „Mieterversammlung“ statt, bei der die Stadtoberen keinen Deut von ihren Planungen abweichen wollten. Mittlerweile scheint aber klar, dass sie sich verschätzt haben. Denn anders ist nicht zu erklären, dass jetzt ein Teil der für den Abriss vorgesehenen Wohnhäuser in der Französischen Allee nun doch saniert werden soll. Offenbar steht der Magistrat bereits schwer unter Druck, der sich in Zukunft noch verstärken dürfte. Und dann wird sich zeigen, ob der „Wettbewerbliche Dialog“ tatsächlich der „große Wurf“ für diese Stadt sein wird – oder das große Desaster der Stadtplaner.

Wir rufen die Stadtverordneten auf zum Point of Return:
Stoppt den Wettbewerblichen Dialog!

Innenstadt-AG des Hanauer Sozialforums –

V.i.S.d.P.: Herwig Putsche, Hanau
http://innenstadthanau.blogsport.de

Kundgebung am 7.12.09

Wir rufen auf zur
Kundgebung gegen den „Wettbewerblichen Dialog“
am Montag, 7. Dezember 2009 um 14.30 Uhr
vor dem Hanauer Rathaus
und anschließendem Besuch der Stadtverordnetensitzung

Am 7. Dezember soll das Hanauer Stadtparlament entscheiden, ob der „Wettbewerbliche Dialog“ mit den zwei übrig gebliebenen Investoren HBB und 3W fortgeführt werden soll. Wir wollen diesen Termin nutzen, um den Stadtverordneten unsere grundsätzliche Kritik an diesem Verfahren nahezubringen.

Mit dem „Wettbewerblichen Dialog“ sind gravierende Folgen für die in Hanau lebenden Menschen verbunden. Nach den Plänen der Stadt soll der Freiheitsplatz mit dem Bau eines weiteren Einkaufszentrums weitgehend privatisiert werden, an anderen Stellen ist der Abriss von Wohnungen vorgesehen, die dem Neubau von Wohnungen für Besserverdienende, einem Hotel und einem Kinokomplex weichen sollen.

Folgen für die Wohnbevölkerung
Mit dem geplanten Abriss der Baugesellschaftshäuser in der Französischen Allee sollen die teils seit Jahrzehnten dort lebenden Menschen umgesiedelt werden. Diese Menschen warten seit zehn Jahren vergeblich auf die versprochene Sanierung ihrer Wohnungen, die aus „Kostengründen“ immer wieder verschoben wurde. Gleichzeitig investierte die Baugesellschaft in den teuren Bau von Eigentumswohnungen, die lange nach ihrer Fertigstellung immer noch leer stehen. Jetzt wird behauptet, die Baugesellschaft könne sich eine Sanierung der Wohnhäuser nicht leisten. Als Beweis wird ein – bereits veraltetes – Gutachten angeführt, das von einem unabhängigen Architekten bereits zerpflückt wurde. Prompt werden neue Zahlen hervorgezaubert, die schon ins Absurde gehen.

In der Französischen Allee regt sich Widerstand und es hat sich ein Mieterrat gegründet, um die Verdrängung und Entwurzelung der alteingesessenen Bewohner/innen zu Gunsten Besserverdienender zu stoppen. Die Möglichkeiten, die Abrisspläne der Stadt mit Hilfe des Mietrechtsschutzes zu blockieren, stehen recht gut. Was wird dann aus dem „Wettbewerblichen Dialog“?
 
Auch in der Hanauer Altstadt sehen die Pläne der Investoren den Abriss von kostengünstigem Wohnraum vor, dessen Instandhaltung die Baugesellschaft seit Jahren vernachlässigt. Der Investor HBB will an der Nordstraße an Stelle der dortigen Wohnhäuser ein Multiplex-Kino bauen. Am Schlossplatz soll ein Hotelkomplex entstehen, weil die Stadt dann angeblich ein paar Kongresse mehr ins CPH bekommen könnte. Auch dafür soll kostengünstiger Wohnraum vernichtet werden.

In der Altstadt, an der Französischen Allee, aber auch in anderen Teilen Hanaus lässt die Baugesellschaft zahlreiche Wohnungen leer stehen. Gleichzeitig steigen die Zahlen der bei der Stadt Hanau gemeldeten Wohnungssuchenden wieder an.

Früher gab es eine „Zweckenentfremdungsverordnung“, nach der auch der Leerstand von Wohnungen mit Bußgeldern geahndet wurde. Heute sorgt die Stadt Hanau als Betreiber der Baugesellschaft selbst für diesen Leerstand.

Hanau soll attraktiver werden?
Dagegen haben wir nichts. Aber wir bezweifeln, dass der „Wettbewerbliche Dialog“ dafür sorgen wird. Wer braucht denn ein glitzerndes Einkaufszentrum auf dem Freiheitsplatz? Wer kann noch mehr einkaufen von dem Geld, das für Viele immer weniger wird? Wer kann noch ein weiteres Restaurant besuchen, wenn die bereits vorhandenen schon unter Umsatzeinbußen klagen?

Der Grundgedanke hinter diesem Einkaufszentrum wie auch hinter dem gesamten „Wettbewerblichen Dialog“ ist, dass mehr kaufkräftige Menschen nach Hanau kommen. Sie sollen an Stelle hier bereits lebender Hanauer/innen in „höherwertige“ Wohnungen ziehen, sie sollen als Konsumenten kommen oder als Touristen. Damit verbunden wäre natürlich, dass die mitgebrachte Kaufkraft dann woanders abgezogen würde -vor allem aus dem Umland. Mit dieser gewollten Konkurrenz und in dieser Logik müssten dann anderen Orts die Geschäftsviertel veröden. Aber das kann auch in Hanau gleich um die Ecke passieren – z.B. in der Rosenstraße, der Fahrstraße, der Nürnberger Straße. Nicht zu vergessen, dass an der Stelle des alten Schlachthofes ja auch noch ein Einkaufszentrum gebaut wird.
Hinzu kommt, dass eine Privatisierung öffentlichen Raumes, wie am Freiheitsplatz geplant, nicht im Interesse der Hanauer Bürger/innen sein kann.

Hanau soll attraktiver werden! Aber nicht auf diese Art – und nicht über den Kopf der Hanauer/innen hinweg!

Der „Wettbewerbliche Dialog“: kein Dialog mit den Bürger/innen
Im Zuge des „Wettbewerblichen Dialogs“ sollen große Teile der Innenstadt vollkommen umgekrempelt werden. Eine Beteiligung der davon betroffenen Hanauer Bürger/innen findet jedoch nicht statt. Die vom Abriss ihrer Wohnungen bedrohten Bewohner/innen der südlichen Innenstadt und der Altstadt, aber auch die Anwohner/innen der künftigen mehrjährigen Riesenbaustelle am Freiheitsplatz wurden und werden nicht über die konkreten Pläne informiert. Stattdessen wurde mit der Einberufung eines handverlesenen und zur Verschwiegenheit verpflichteten „Beirats“ eine Bürgerbeteiligung lediglich simuliert. Und die direkt Betroffenen blieben außen vor.

Erst auf Druck des Mieterrats in der Französischen Allee fand eine so genannte „Mieterversammlung“ statt, bei der die Stadtoberen keinen Deut von ihren Planungen abweichen wollten. Mittlerweile scheint aber klar, dass sie sich verschätzt haben. Denn anders ist nicht zu erklären, dass jetzt ein Teil der für den Abriss vorgesehenen Wohnhäuser in der Französischen Allee nun doch saniert werden soll. Offenbar steht der Magistrat bereits schwer unter Druck, der sich in Zukunft noch verstärken dürfte. Und dann wird sich zeigen, ob der „Wettbewerbliche Dialog“ tatsächlich der „große Wurf“ für diese Stadt sein wird – oder das große Desaster der Stadtplaner.

Wir rufen die Stadtverordneten auf zum Point of Return:
Stoppt den Wettbewerblichen Dialog!

Innenstadt-AG des Hanauer Sozialforums –
V.i.S.d.P.: Herwig Putsche, Hanau

http://innenstadthanau.blogsport.de

Einladung zur kritischen Stadtführung

Was bedeutet der „Wettbewerbliche Dialog“ für Hanau?
– Eine kritische Stadtführung

Der „Wettbewerbliche Dialog“ in Hanau bezeichnet ein Auswahlverfahren, an dessen Ende die Stadtverordnetenversammlung einem Investor den Auftrag erteilt, fünf Plätze in der Hanauer Innenstadt umzugestalten: Schlossplatz, Altstädter Markt, Freiheitsplatz, Marktplatz und der Bereich um die Niederländisch-Wallonische Kirche.

Welche Veränderungen sind geplant und welche Folgen wird das für die Hanauer Bevölkerung haben?
Was bedeuten die Veränderungen für einkommensschwächere Haushalte und alteingesessene Bewohner/innen der Baugesellschafts-Wohnungen in der Altstadt und in der südlichen Innenstadt? Wurden Sie von der Stadt Hanau informiert, ob auch Ihre Wohnung abgerissen werden soll?

Der Freiheitsplatz, ein Filet-Stück städtischen Eigentums, soll zu einem Teil an einen Investor verkauft werden, der darauf ein Einkaufszentrum bauen wird. Welche Folgen hat der Verkauf städtischen Eigentums und damit öffentlichen Raums an Investoren, die nicht dem Allgemeinwohl verpflichtet sind?

Auch andere städtische Flächen sollen an den Investor verkauft und die darauf entstehenden Gebäude – z.B. die Stadtbibliothek – danach von der Stadt „zurück“ gemietet werden.

Unsere kritische Stadtführung wird an den betreffenden Gebieten entlang führen, über die geplanten Veränderungen informieren und soll Raum bieten, sich über den „Wettbewerblichen Dialog“ und dessen Entwicklungen auszutauschen. Wollen Sie mehr erfahren? Dann nehmen Sie an der Stadtführung teil, die über den geplanten Umbau Hanaus informiert!

TERMINE für die kritische Stadtführung:
13. September jeweils Sonntags
11. Oktober um 15 Uhr (bis ca. 17 Uhr)
8. November Treffpunkt: vor dem CPH
6. Dezember auf dem Schlossplatz

In welchem Hanau wollen wir leben?

Auszug aus dem Script auf der Veranstaltung am 20.4.2009:

Wie wollen wir denn die Stadt?

Bei aller Kritik stellt sich anschließend die Frage, wie wir die Stadt entwickeln wollen. Wir plädieren dafür, die Veränderung von Stadt auf grundsätzlich anderem Wege zu betreiben. Der Wettbewerbliche Dialog ist ein Paradebeispiel für eine Stadtentwicklung „von oben“. Das ist besonders offensichtlich, weil der geplante Abriss ganzer Wohnblocks noch nicht einmal kommuniziert wurden und die Betroffenen diese Pläne aus der Zeitung erfahren mussten.

Wir stellen uns eine Veränderung der Stadt aus einer ganz anderen Richtung vor. Denn es gilt nicht, den jetzigen Zustand zu bewahren, es gibt viel zu tun in der Stadt. Nur sind wir der Meinung, dass eine Stadt von denen gestaltet werden muss, die in Ihr wohnen und die letztlich auch die Stadt selbst sind. Das betrifft Fragestellungen, ob zusätzliche Einkaufsmöglichkeiten wirklich das sind, was Hanau braucht.

Grundsätzlich vertreten wir die Ansicht, dass eine Stadt von Ihren BewohnerInnen verändert werden sollte. Auch eine Verwaltung hat nicht das Recht sich auszusuchen, für wen eine Stadt geplant wird, sondern muss von denen ausgehen, die sie dort vorfinden. Der erste Schritt wäre, in die Stadt zu gehen und mit den Leuten zusammen herauszufinden, was denn Ihre Bedürfnisse sind. So wird eine längst überfällige Sanierung des Gebiets um die Französische Allee, die den MieterInnen das Recht garantiert, dort wieder einziehen zu können ohne ernorme Mietsteigerungen, durch aus im Sinne der jetzigen BewohnerInnen sein.
Auch ansonsten gibt es viel, das in der Stadt zu verändern wäre. Es gibt wahrscheinlich niemanden, der den Freiheitsplatz als Beton- und Parkplatzwüste belassen möchte, so wie es sich jetzt darstellt. Der „ebenerdige ruhende Individualverkehr“ darf auch gerne unter die Erde verschwinden, aber ob Hanau dann ausgerechnet noch ein Einkaufszentrum braucht, würden zumindest wir ganz vehement verneinen.

Letztlich müssen wir aber von der Tatsache ausgehen, dass eine offizielle Stadtplanung niemals eine Planung von unten sein wird. Das ist keine große Neuigkeit, aber deutlicher als beim Wettbewerblichen Dialog kann es kaum werden. Die Frage ist, wie es möglich ist, sich trotz und gegen offizielle Stadtplanung seinen eigenen Einfluss auf die Stadt zu nehmen und selbst mit der Stadtentwicklung von unten zu beginnen. Ein erster Schritt kann es sein, eine Stimme zu bekommen und auch laut und deutlich zu sagen, das diese Stadtplanung nicht in unserem Sinne ist. Gerade wenn Investoren ihre glitzernden Entwürfe einer Stadt zeigen, die wir gar nicht so empfinden, sollten wir an der Vorstellung einer Stadt arbeiten, in der wir leben wollen. Ob diese Stadt viel mit der Stadt der Investoren zu tun hat, darf ganz sicher bezweifelt werden.